Wertvolle Sammlung an historischem Notgeld an die Stadt Annaberg-Buchholz übergeben

Geschrieben am 25.03.2026
von kontakt


Zwischen Inflation und Hoffnung: Zeugnisse einer besonderen Epoche

 

Annaberg-Buchholz, 25.03.2026 – Ein besonderes Stück Stadtgeschichte hat seinen Weg zurück an einen symbolträchtigen Ort gefunden: Rainer Streek hat der Stadt Annaberg-Buchholz seine über Jahre hinweg zusammengetragene Sammlung von Notgeldscheinen aus den Jahren 1918 bis 1923 als Geschenk übergeben. Die offizielle Übergabe fand am 17. März 2026 statt.

 

 

 

Mit großer Dankbarkeit und Anerkennung nahm die Stadt diese außergewöhnliche Schenkung entgegen. Archivleiter Wolfgang Blaschke hatte dazu im Vorfeld die historischen Geldscheine gemeinsam mit erläuternden Informationen in einem repräsentativen Rahmen aufbereitet. Dieser hat nun seinen festen Platz in der Kämmerei gefunden – genau dort, wo einst Geld ausgegeben wurde.

 

 

 

Bürgermeisterin und Fachbereichsleiterin der Kämmerei, Anke Hanzlik, zeigte sich darüber besonders erfreut: „Es ist schon etwas Besonderes, dass dieses Notgeld nun genau an dem Ort zu sehen ist, an dem es früher – wie in vielen Städten üblich – ausgegeben wurde. Manch einer würde sich auch heute eine Gelddruckmaschine wünschen“, fügte sie mit einem Schmunzeln hinzu.

 

 

 

Rainer Streek selbst zeigte sich sichtlich bewegt, dass seine Sammlung nun öffentlich zugänglich ist: „Ich freue mich sehr, dass die Scheine nicht länger bei mir zu Hause in einem Buch gepresst verborgen bleiben, sondern hier für alle sichtbar sind.“ Auf das Thema Notgeld war er eher zufällig gestoßen – bei einem Besuch im Rathaus in Geyer. Durch weitere Recherchen entdeckte er schließlich auch Annaberger Scheine und widmete sich fortan über mehrere Jahre intensiv dem Sammeln, bis die Serie vollständig war.

 

 

 

Das Annaberger Notgeld aus der Inflationszeit stellt ein eindrucksvolles Zeugnis wirtschaftlich schwieriger Zeiten dar. Es handelte sich dabei nicht um klassisches Umlaufgeld der Notenbanken, sondern um Wertmarken und ähnliche Ersatzmittel. Eine besondere Rolle spielten die sogenannten „Altershilfsscheine“ mit Motiven wie dem Frohnauer Hammer, Adam Ries, dem Tetzelkasten und Barbara Uthmann. In einer Auflage von jeweils rund 31.000 Stück, gedruckt durch die Annaberger Druckerei C. Balduin Wittig, dienten sie unter anderem dazu, Mittel für soziale Zwecke wie die Wiederherrichtung von Hospitalgebäuden und den Bürgerheimfonds zu gewinnen.

 

 

 

Die Jahre zwischen 1918 und 1923 waren von einer dramatischen Inflation geprägt, die ab 1921 immer weiter an Fahrt aufnahm. Finanzielle Planungen wurden nahezu unmöglich, Haushaltspläne konnten zeitweise nicht mehr aufgestellt werden. Erst mit der Währungsumstellung Ende 1923 fand diese Entwicklung ein Ende.

 

 

 

Oberbürgermeister Rolf Schmidt betonte bei der Übergabe die historische Bedeutung der Sammlung: „Dieses Notgeld erinnert uns eindrücklich an eine Zeit großer wirtschaftlicher Unsicherheit. Es ist ein wertvolles Stück unserer Geschichte – und zugleich eine Mahnung. Ich hoffe sehr, dass wir nie wieder in eine Situation kommen, in der solche Maßnahmen notwendig werden.“

 

Mit der Präsentation der Sammlung in der Kämmerei wird Geschichte nun auch für die Einwohner und Besucher sichtbar und erlebbar – ein Geschenk, das weit über den materiellen Wert hinausgeht.

 

 

 

Im Namen der Stadt Annaberg-Buchholz bedanken sich Anke Hanzlik und Rolf Schmidt herzlich bei Rainer Streek für dieses außergewöhnliche Engagement und die großzügige Schenkung, die das kulturelle Gedächtnis der Stadt nachhaltig bereichert.