Welterbe zum Anfassen: Eine Million Gäste unter Tage – ein weiterer Meilenstein
Annaberg-Buchholz, 11. Februar 2026 – Ein ganz besonderer Moment für Annaberg-Buchholz, das Erzgebirge und die UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří: Am heutigen Mittwoch, dem 11. Februar 2026, begrüßte das Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln im OT Frohnau feierlich seinen einmillionsten Besucher – in diesem Fall die junge Besucherin Lilly Anders aus Neubrandenburg, die gemeinsam mit ihrer Familie ihre Ferienzeit im Erzgebirge verbringt.
Dieser Meilenstein ist weit mehr als eine beeindruckende Zahl. Er steht für jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement, für gelebte Bergbautradition und für einen Ort, an dem Geschichte nicht nur bewahrt, sondern erlebbar gemacht wird.
Die Wurzeln des heutigen Besucherbergwerks reichen zurück bis ins Jahr 1981, als die sogenannte Wismutstrecke – der heutige Zugang zum Stolln – erstmals geöffnet wurde. Zunächst erhielten vor allem bergbauhistorisch Interessierte zu Forschungszwecken Zugang. Daraus entwickelte sich die Befahrungsgruppe der Bergknapp- und Brüderschaft „Glück Auf“ e. V. Frohnau. Mit großer Leidenschaft und Weitblick wurde schließlich am 10. November 1990 der Verein Altbergbau Markus-Röhling-Stolln Frohnau e. V. gegründet – bis heute Betreiber des Besucherbergwerks.
Schon früh verband die Vereinsmitglieder ein gemeinsamer Traum: den Markus-Röhling-Stolln für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ab 1992 begann der Ausbau des Besucherbergwerks im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Ehemalige Bergleute der Wismut brachten ihr Fachwissen und ihre Erfahrung ein. Es folgten der Abteuf des Wetterschachts im Jahr 1993, der Einbau der Grubenbahn, die Sicherung der Stollenanlagen sowie die originalgetreue Rekonstruktion eines Kunstrads nach historischen Zeichnungen – alles in großer Eigenleistung des Vereins. Zahlreiche technische Zeitzeugen wurden vor der Verschrottung bewahrt und so für kommende Generationen erhalten.
Im Juli 1994 konnte das Besucherbergwerk schließlich eröffnet werden. Doch auch danach ruhte die Arbeit nicht. Der Verein entwickelte den Stolln kontinuierlich weiter, wurde Arbeitgeber für fest angestellte und geringfügig Beschäftigte und übernahm dauerhaft Verantwortung für Betrieb und Erhalt der Anlage. Bereits im März 2008 wurde der 500.000. Besucher begrüßt – ein erster großer Meilenstein auf dem Weg zur heutigen Erfolgsgeschichte.
Ein entscheidender Höhepunkt folgte 2019 mit der Aufnahme des Markus-Röhling-Stollns in das UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Im selben Jahr begannen die Planungen zur Erweiterung des Besucherwegs. Nach Erhalt des Fördermittelbescheids im August 2020 konnte am 23. September 2022 der neue Rundgang feierlich eröffnet werden. Seitdem erleben noch mehr Besucherinnen und Besucher die faszinierende Welt des Bergbaus noch intensiver – mit spannenden Einblicken in die Förderung von Silber, Kobalt und Uran, die über Jahrhunderte hinweg Reichtum und Entwicklung der Region prägten.
„Es macht uns stolz, dass dieser Erfolg vor allem durch hervorragend funktionierende Vereinsarbeit und außerordentliches ehrenamtliches Engagement möglich geworden ist“, betonte Oberbürgermeister Rolf Schmidt vor Ort. Der Markus-Röhling-Stolln sei ein lebendiges Zeugnis der Geschichte und weit mehr als ein Besucherbergwerk. Er ist ein Ort der Erinnerung, ein Kompetenzzentrum für Altbergbau, eine Lernstätte für Ganztagsunterricht und ein emotionaler Ankerpunkt für die Identität des Erzgebirges.
Die Geschichte des Stollns selbst reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ursprünglich als St.-Anna-Stolln zur Entwässerung der Gruben am Schreckenberg angelegt, wurde er 1727 nach dem Bergamtsverwalter Markus Röhling benannt. Bis zur Einstellung des Grubenbetriebs im Jahr 1857 wurden hier rund 15,4 Tonnen Silber und 51.326 Zentner Kobalterz gefördert – ein wirtschaftlicher Grundpfeiler des Annaberger Bergbaureviers. Hinter diesen Zahlen stehen Generationen von Bergleuten, deren harte und oft unmenschliche Arbeit den Grundstein für den Wohlstand der Region legte.
Dass nun die einmillionste Besucherin begrüßt werden konnte, ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie lebendig dieses Erbe ist und wie sehr es Menschen bis heute in seinen Bann zieht. Ein Meilenstein unter Tage, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf besondere Weise verbindet.

