Annaberg-Buchholz setzt ein Zeichen für Erinnerung und Menschlichkeit
Schülerstimmen geben der Erinnerung ein Gesicht
Annaberg-Buchholz, 28. Januar 2026 - Mit einer würdevollen und tief bewegenden Gedenkveranstaltung hat die Stadt Annaberg-Buchholz gemeinsam mit dem Landrat des Erzgebirgskreises gestern an die Opfer des Holocaust und des Faschismus erinnert. Am Mahnmal der Opfer des Faschismus im Stadtpark „Alter Friedhof“ sowie in der Mauersberger Aula der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge (EGE) kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche, Schulen und Bürgerschaft zusammen, um innezuhalten, zu erinnern und Verantwortung zu bekennen.
In ihrer Ansprache am Mahnmal im Stadtpark erinnerte Bürgermeisterin Anke Hanzlik daran, dass während des Zweiten Weltkrieges durch die Nationalsozialisten ungefähr 6 Millionen Juden ermordet wurden. Das Unrecht habe aber nicht erst in den Konzentrationslagern begonnen, sondern schon in den Städten und Dörfern, in der Sprache und im Wegsehen. Auch Annaberg-Buchholz sei Teil dieser Geschichte: Über 40 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden aus der Stadt deportiert und ermordet. Ihre Namen und Schicksale seien Teil der Verantwortung der heutigen Stadtgesellschaft.
„Gedenken ist mehr als ein Ritual. Gedenken ist eine Haltung“, betonte die Bürgermeisterin und rief dazu auf, Erinnerung in aktives Handeln für Demokratie und Menschenwürde zu übersetzen – gerade angesichts zunehmender rechtsextremer Tendenzen.
Auch die Erinnerung an die Zeitzeugin Margot Friedländer prägte den Tag. Ihr Vermächtnis – „Es gibt nur menschliches Blut. Seid Menschen.“ – wurde zum Leitgedanken der Veranstaltung.
Die musikalischen Beiträge, die Gedenkminute und die anschließende Blumenniederlegung verliehen der Gedenkveranstaltung auf dem Alten Friedhof einen stillen und würdevollen Rahmen.
„Nie wieder ist kein Satz der Vergangenheit. Es ist ein Auftrag an uns alle – heute und jeden Tag“, so Bürgermeisterin Anke Hanzlik abschließend, bevor sie alle Anwesenden in die Mauersberger Aula einlud.
Schulen gestalten Erinnerung lebendig
Schulleiterin Rosi Schmidt-Löschner, deren Schule erneut Gastgeberin der anschließenden Gedenkveranstaltung war, eröffnete den zweiten Teil des Programms mit eindringlichen Worten:
„Der 27. Januar ist kein Tag für laute Parolen. Er ist ein Tag der Vergewisserung – über unsere eigene Haltung, unsere Verantwortung und unseren Beitrag zu einer Gesellschaft, in der Menschlichkeit und Respekt zählen.“
Das Evangelische Gymnasium erwies sich damit einmal mehr als würdevoller Ort des Erinnerns.
Musikalisch begleitet von Chorbeiträgen wurde der Vormittag zu einem stillen und zugleich eindrucksvollen Zeichen gegen das Vergessen und für Menschlichkeit.
Landrat Rico Anton unterstrich in seiner Gedenkrede die historische Verantwortung, die aus der Erinnerung erwachse. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz seien keine Selbstverständlichkeiten, sondern Werte, die täglich verteidigt werden müssten. Besonders würdigte er die Bedeutung persönlicher Erfahrungen und Begegnungen für eine lebendige Erinnerungskultur.
Besonders eindrucksvoll waren die Beiträge der Schülerinnen und Schüler der Oberschulen J.H. Pestalozzi und der Oberschule des Bildungszentrums Adam Ries, dem Institut für Ausbildung Jugendlicher (IAJ) sowie dem Landkreis-Gymnasium St. Annen, die ihre Erfahrungen aus Projekten, Exkursionen und Gedenkstättenbesuchen schilderten. Mit großer Offenheit und emotionaler Tiefe berichteten sie von der Stadtführung „Jüdisches Leben in Annaberg und Buchholz“, vom Besuch der Gedenkstätte Buchenwald, von der Auseinandersetzung mit dem NS-Euthanasieprogramm in Chemnitz sowie vom Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz.
Eine emotionale Tiefe erhielt die Veranstaltung durch die Beiträge von Frau Kerstin Claus, Tochter von Justin Sonder und Herrn Hermann Brudner, Sohn von Max Brudner, die als Angehörige von Holocaust-Überlebenden ihre Erinnerungen mit allen Anwesenden teilten.
Die Stadt Annaberg-Buchholz dankt allen, die diesen Tag vorbereitet, begleitet und mitgestaltet haben: den beteiligten Schulen, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern, den kirchlichen Vertretern, den musikalisch Mitwirkenden, den Zeitzeugenfamilien sowie allen Gästen, die durch ihre Anwesenheit ein Zeichen gesetzt haben.
Der 81. Internationale Gedenktag wurde damit zu einem starken gemeinsamen Bekenntnis gegen das Vergessen, für Menschlichkeit, für Demokratie und für Frieden.


